Über Brustkrebs
Brustkrebs ist die häufigste Krebserkrankung bei Frauen. In Deutschland werden laut Robert-Koch-Institut, Berlin fast. 50.000 Brustkrebserkrankungen pro Jahr neu diagnostiziert.
Die Brust besteht aus Milchdrüsen und Milchgängen, die in Bindegewebe eingelagert sind. Diese wiederum werden von Fettgewebe umschlossen, das die Form der Brust bestimmt. Blut- und Lymphgefäße durchziehen die Brust, damit erstens das Gewebe mit Nährstoffen versorgt und zweitens überschüssige Gewebsflüssigkeit abtransportiert wird. Bei der körperlichen Abwehr von Krankheitserregern spielt das Lymphsystem eine wichtige Rolle.
Während des monatlichen Zyklus verändert sich die Brust. Sie reagiert auf die hormonellen Schwankungen und kann sich durch unangenehme Spannungen und knotige Veränderungen bemerkbar machen. All das bildet sich nach Ende der Monatsblutungen wieder zurück.
Definition
Als Tumor wird jede Geschwulst bezeichnet, unabhängig davon, ob sie gut- oder bösartig ist.
Die meisten Tumoren der Brust sind gutartig (benigne) und damit therapeutisch unproblematisch. Einige Zellen des Binde- oder Fettgewebes vermehren sich übermäßig. Sie bilden tastbare Verdichtungen (z.B. Fibroadenom), die nicht in das Nachbargewebe eindringen. Sie können nach Abklärung meist gut herausoperiert werden und treten in der Regel nicht wieder auf. Ebenso Zysten, sack- oder blasenartige Hohlräume, die mit Flüssigkeit gefüllt sind und sich oft von selbst wieder zurückbilden.
Bösartige (maligne) Tumoren entstehen fast immer aus Zellen der Milchgänge oder Drüsenläppchen. Diese Zellen vermehren sich ohne Rücksicht auf Gewebegrenzen und werden dann als "invasives Karzinom" bezeichnet. Aus den invasiven Tumoren können Tumorzellen in die Blutbahn oder in die Lymphgefäße gelangen, andere Organe erreichen und sich dort vermehren. So bilden die Zellen Tochtergeschwülste, Metastasen genannt.
Normalerweise ist das Immunsystem in der Lage, neu entstandene Krebszellen zu erkennen und zu beseitigen. Tumoren entstehen nur dann, wenn es Krebszellen gelingt, diesen Selbstschutz des Körpers zu umgehen.
Auch Männer können an Brustkrebs erkranken. Es gibt in ihrer Brust ebenfalls Zellen, die sich unkontrolliert teilen und vermehren können. Sie erfahren im Wesentlichen die gleiche Behandlung wie die Frauen.
Früherkennung von Brustkrebs
Eine echte Früherkennung von Brustkrebs ist z. Zt. nur mit bildgebenden Verfahren (z. B. Mammographie, Magnetresonanz-Tomographie (MRT) u. U. Ultraschall) möglich. In qualifizierten Radiologiezentren können mit einer Mammographie z.B. verdächtige Verkalkungen in den Milchgängen oder kleine Tumoren entdeckt werden, die noch nicht zu tasten sind. Durch die Einführung eines bundesweiten Mammographie-Screenings ( Reihenuntersuchung zur Brustkrebsfrüherkennung ), zu der alle gesunden, symptomlosen Frauen im Alter von 50 bis 70 Jahren schriftlich eingeladen werden, hofft man, die Brustkrebssterblichkeit deutlich zu senken. Die Chancen auf Heilung sind umso besser, je früher die Diagnose erfolgt.
Die propagierte monatliche Selbstuntersuchung kann nur tastbare Knoten finden und benötigt Zeit und Training. Dies erfordert Eigeninitiative und ist bei jüngeren Frauen unter 50 Jahren, die noch nicht am Mammographie-Screening teilnehmen können, die Chance, möglichst frühzeitig Tumoren zu entdecken. Bei jungen Frauen und bei sehr dichtem Brustgewebe kann ein erfahrener Untersucher mit dem Ultraschall kleine Tumoren entdecken; eine Darstellung von Mikrokalk ist mit der Methode nicht möglich.
Abklärung eines verdächtigen Befundes
Die oben beschriebenen bildgebenden Verfahren reichen zur Abklärung eines Befundes nicht aus. Um zweifelsfrei festzustellen, ob es sich um eine gut- oder bösartige Veränderung handelt, ist zusätzliche eine Gewebeuntersuchung nötig. Die Entnahme der Gewebezylinder erfolgt mittels einer Biopsie, wobei je nach Beschaffenheit des Areals unterschiedliche Methoden angewandt werden (z. B. Hochgeschwindigkeits-Stanzbiopsie, Vakuumbiopsie). Diese kleinen Eingriffe werden unter Lokalanästhesie durchgeführt, so dass sie wenig schmerzhaft sind. Durch die anschließende mikroskopische Untersuchung und weitere Tests durch Spezialisten können wichtige Eigenschaften der entnommenen Zellen festgestellt werden. Das ist für die spätere Wahl der Therapie entscheidend. Die Befürchtung, dass durch eine Stanze evtl. Krebszellen verschleppt werden könnten, ist unbegründet.
Nach Bestätigung der Diagnose ist es wichtig, kompetente Ärzte in zertifizierten Brustzentren zu finden, um die bestmögliche und richtige Behandlung zu bekommen. Es ist sinnvoll, eine zweite ärztliche Meinung einzuholen. Dies ist ohne Zeitdruck möglich, denn Brustkrebs ist kein Notfall!
Operation
Durch medizinische Beobachtungen und Fortschritte in den Operationstechniken können heute die meisten Patientinnen brusterhaltend operiert werden, ohne dass dies die Heilungs- und Überlebenschancen negativ beeinflusst. Sicherheitshalber wird bei der Operation noch weiteres Gewebe rund um den Tumor entfernt, damit möglichst keine Krebszellen zurück bleiben.
Zusätzlich zum Tumor werden auch Lymphknoten aus der Achselhöhle entfernt, um festzustellen, ob sich in ihnen bereits Tumorzellen befinden. Weniger belastend ist der Einsatz der so genannten Sentinel-node-Biopsie, das Aufspüren des ersten Lymphknotens (Wächterlymphknoten) im Abflussgebiet der Lymphe des Tumors. Durch Spritzen einer blauen Farblösung und / oder einer leicht radioaktiven Substanz in der Nähe des Tumors kann derjenige Lymphknoten identifiziert werden, der als allererster mit der Lymphe in Kontakt kommt. Ist dieser Wächterlymphknoten von Krebszellen frei, kann auf die Entfernung weiterer Lymphknoten verzichtet und damit evtl. Folgen (Lymphödem, Nervenschäden) verhindert werden.
Sollte der Tumor für eine brusterhaltende Operation zu groß sein, kann unter bestimmten Bedingungen versucht werden, ihn vorher (neoadjuvante Chemotherapie oder neoadjuvante Anti-Hormontherapie) medikamentös zu verkleinern. Dabei ist zu erkennen, ob der Tumor auf die Medikamente anspricht, was auch für die weitere Therapie von Bedeutung ist.
Ist eine Brustamputation (Mastektomie) aus medizinischen Gründen unumgänglich, kann ein Wiederaufbau der Brust mit Eigengewebe und / oder Fremdimplantaten in Erwägung gezogen werden, wobei die Erfahrung des Chirurgen von großer Bedeutung ist und die Vor- und Nachteile bedacht werden sollten.
Chemotherapie
Die Chemotherapie ist eine Behandlung mit Arzneimitteln, den so genannten Zytostatika, die die Teilung der Krebszellen stoppen und sie abtöten sollen. Da diese sich häufiger teilen als gesunde Zellen, wirken die Medikamente verstärkt auf sie ein.
Die sog. adjuvante Chemotherapie soll bewirken, dass Krebszellen, die nach der operativen Entfernung des Tumors möglicherweise im Körper verblieben sind bekämpft werden (Systemische Therapie). Die verschiedenen Zytostatika wirken in unterschiedlicher Weise auf die Zellen ein. Die für die Patientin geeigneten Mittel - meist werden mehrere Zytostatika kombiniert - werden als Infusionen in Intervallen verabreicht.
Leider können die Zytostatika auch gesunde Zellen angreifen. Das führt zu häufigen Nebenwirkungen, wie z. B. Übelkeit und Erbrechen, Infektanfälligkeit und Haarausfall. Die meisten dieser Nebenwirkungen können aber mittlerweile durch andere Medikamente verhindert oder gemildert werden.
Ob eine solche Therapie sinnvoll ist, sollten die Ärzte gemeinsam mit der Patientin im Hinblick darauf entscheiden wie hoch ihr individuelles Risiko ist.
Strahlentherapie
An eine brusterhaltende Operation schließt sich in der Regel noch eine Behandlung mit Röntgenstrahlen an, die die evtl. verbliebenen Krebszellen zerstören soll.
Eine Nachbestrahlung der Brustwand nach Entfernung der gesamten Brust und eine Bestrahlung der Lymphknotenbereiche hängen vom individuellen Risikoprofil ab.
Anti-Hormontherapie
Die meisten Brustkrebs-Tumore sind östrogenabhängig. Das bedeutet, dass die Tumorzellen durch Östrogen zum Wachstum angeregt werden. Deshalb soll die Anti-Hormontherapie (Antiöstrogene, Aromatasehemmer,=2 0GnRH-Analoga), die sich über mehrere Jahre erstreckt, nach Entfernung des Tumors den Einfluss der Sexualhormone ausschalten. Es soll verhindert werden, dass unter Hormoneinfluss ein erneutes Tumorwachstum beginnt.
Die Anwendung der einzelnen Medikamentengruppen richtet sich danach, ob die Patientin vor oder nach den Wechseljahren damit behandelt wird.
Nachsorge
Etwa zwei Drittel der behandelten Frauen sind nach Abschluss der Erst-Therapie als geheilt anzusehen. Es ist jedoch wichtig, sich grundlegenden Untersuchungen zur Feststellung des Behandlungserfolges zu unterziehen. Ausgewählte Untersuchungen bringen mehr als ein großer Aufwand mit Apparaten. Dazu gehören in erster Linie ärztliche Beratung und Information mit eingehender körperlicher Untersuchung und Mammographien in genau definierten Abständen. Ergeben sich dabei Anzeichen für einen Rückfall, werden weitere Verfahren eingesetzt, um ein evtl. Rezidiv oder eine Metastase aufzufinden.

